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Cachergedanken

Manchmal stelle ich mir die Frage, wieso ich Geocacher bin.
Wenn man die Cacher so fragt, bekommt man viele Antworten. Spaß an der Technik, man kommt mal raus, man sieht seine Umgebung mit anderen Augen, es ist ein Hobby für die ganze Familie.

Mein Einstiegskriterium war sicherlich, dass man seine Umgebung aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet, und wohin kommt, wo man sonst eigentlich nie ist.
Aber da ich mittlerweile auf Entzug bin (2 Caches in 45 Tagen ist wirklich wenig) ist mir was anderes klargeworden.
Ich war nie beim Bund, sondern beim THW. Mittlerweile weiß ich nicht, ob das eine so gute Idee war.
Durchs Geocachen habe ich dazu eine ganz andere Position bekommen. Grundsätzlich gilt erstmal: Ich will raus. Als Student ist man ja eher so der Schreibtischtäter, und es fehlt einem der Ausgleich. Den kriege ich nunmal, wenn ich einem Pfeil nachrenne, den mir ein zigarettenschachtelgroßes Gerät in meiner linken Hand projiziert.

Aber es ist noch mehr als nur “rausgehen”. Es ist die Annäherung ans Extreme. Beziehungsweise das, was ich für “extrem” halte. Einfaches GPS-Anmachen und gucken was so in der Gegend geht ist nett, klar. Aber auf die Dauer langweilig.

Caches unter 3/3 gehen fast gar nicht mehr. Sie sind zu langweilig. Es macht halt mehr Spaß, wenn man sich wirklich mit seiner Aufgabe beschäftigt. Als Beispiel nehme ich mal die Drop Zone GC200MX).

Seit Beginn dieses Jahres hatten wir im Team die fixe Idee, den Cache mal anzugehen. Es war uns klar, dass das schon was besonderes ist, und nicht die übliche Tradipflückerei.
Man sagt: “Know Your Enemy”. Ich weiß nicht, wie viele Male ich das Listing durchgelesen habe. Es waren sehr viele Male. Und die Logs studiert und fast auswendig gelernt.
Es galt Equipment anzuschaffen, das man vorher als Zivilist Muggel nie im Leben anschaffen würde. Wathose, UV-Lampe, und wasweißich.
Es galt logistische Vorbereitungen zu treffen. Wann hat das Team Zeit, wann ist ein Slot frei, wann fahren wir los?

Schließlich ist man dann am Einstiegspunkt, meistens irgendwo am Arsch der Welt, und man macht sich fertig. Ich bin mir 100% sicher, genau so wie ich mich dann fühle, so fühlen sich Astronauten, wenn sie den Anzug für einen Weltraumspaziergang anlegen. Klar, meistens ist es nur, dass man auf den GPS-Fix wartet, alles nochmal checkt, sich eine Jacke anzieht, und los. Aber auch das ist was besonderes. Fast wie Heiligabend, wenn man darauf wartet, endlich die Geschenke zu bekommen.
Ich habe da immer das Gefühl, eine Welt zu verlassen, und sich voll und ganz auf den Cache einzustellen. War die Vorbereitung okay? Hält die Wathose wirklich, was sie verspricht? Was hat der Owner diesmal für uns vorbereitet? Schaffen wir es, oder wird es doch nur DNF?

Ich weiß, dass Geocaching nur ein Hobby ist, und auch Spaß machen soll, aber irgendwie…erwarte ich da auch ein Mindestmaß an Disziplin. Von allen. Auch von mir. Das ist bei ner kleinen Reflektorstrecke natürlich weniger als bei dem übelsten Abseilcache, aber dennoch. In der THW-Jugend bekam ich diesen Satz mit, der eigentlich Teamgeist, Gruppenzusammenhalt und Disziplin wunderbar zusammenfasst: “Eine Kette ist nur so stark wie das schwächste Glied”. Und das interpretiere ich so, dass man auch mal wartet, eine Pause einlegt, und währenddessen einfach nur mal den Cache auf sich wirken lässt. Dazu gehört auch, dass man sonstige kleinere Keilereien auf Eis legt, und sie erst nach dem Cache weiterführt. Weil sie einfach nicht hierher gehören, und dem Teamgeist schaden.

Denn man hat den Cache als Team angegangen, und nur als Team kann man ihn wieder erfolgreich beenden.

Und wenn man dann erstmal mitten drin ist im Cache, dann kommen die ersten Grenzerfahrungen. Man steckt knietief in der Scheiße, man kann nur weiter, wenn man die Quersumme einer 11stelligen Zahl berechnet hat, und zurück geht auch nicht, denn das wär weiter als vorher. Und dann klappt es. Zähne zu und durch. Ich z.B. war an der Drop Zone dermaßen fixiert darauf, diesen Cache endlich zu bezwingen, dass ich nicht nachgedacht habe, und mir den Finger gebrochen habe. Wäre ich an der gleichen Stelle gewesen, und es wäre nicht mitten in der Nacht nach einem mehrstündigen Durchdiescheißekriechen, sondern ein simpler Drive-In-Tradi gewesen, an einem Nachmittag…ich wäre alles viel anders angegangen.

Wenn man den Cache dann gefunden hat (oder auch nicht), und dann im Morgengrauen wieder zu Hause ist, dann freue ich mich zum einen, dass die Nacht so geil war, zum anderen bin ich etwas wehmütig, dass so lange Vorbereitung jetzt endgültig vorbei ist.

Jedoch, egal ob Found oder DNF, eigentlich ist eine jede solche Cachetour ein Gewinn. Weil man eine Nacht im Team verbracht hat. Weil man mit offenem Verdeck mit dem Jeep durch die Gegend geheizt ist, und einem die Hände abfallen und die Augen tränen. Weil man originelle Stationen des Owners gesehen hat, die wirklich mit Liebe gemacht wurden. Weil man keine Zecken und nur einen Mückenstich neu hat. Weil man an Orten war, where no man has gone before. Weil das Team nun viel stärker zusammengeschweißt ist. Und, weil man jetzt endlich im warmen Bett liegen kann, und sich um den nächsten großen Cache kümmern kann. Oder doch erstmal wieder Tradis pflücken zur Entspannung?

Es wird langsam hell, die Vögel zwitschern, und am nächsten Tag geht der normale Alltag wieder los.

Freitag, 18.Juni 2010 00:29 Tags: , ,

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